Der Große Dorfbrand 1870

Der große Brand am 30. Juni 1870

Am 30. Juni 1870 mittags,13.30 Uhr war es, da arbeitete auf dem Strohdach des Hauses, das dicht neben dem alten Gasthaus zum Rössle an der Landstraße stand und dem Bürger Joseph Wetzel gehörte, der Dachdecker. Über allen glühte heiß die Sommersonne,und in der Wetzelküche glühte es auch, denn dort wurde Wagenschmiere gekocht, was eine feuergefährliche Sache ist, besonders in einem alten Schwarzwaldhaus mit seinem ausgedörrten Holzwerk und dem Strohdach obenauf. Und richtig hatte der Feuerteufel schon seine Klauen im Spiel. Unversehens schlugen die Flammen in den Schmierkessel, dessen Inhalt loderte hoch auf, und auf einmal brach eine Stichflamme über dem Futtergange durch das Strohdach hinaus. „Feuer!“ schrie der entsetzte Dachdecker und rutschte eiligst vom Dach herunter, während der Südwestwind sich beeilte, die verheerenden Flammen auf die andern ausgedörrten Strohdächer zu verbreiten.

DerGrosseBrand
Dorfbrand 1870 (Symbolbild)

Binnen einer einzigen halben Stunde standen 21 Häuser die alte Kapelle und 17 Nebengebäude unrettbar in Flammen,und auch aus Stein gebaute und mit Ziegeln gedeckte Häuser gerieten in Brand. Mit größter Schnelligkeit eilten die organisierten Feuerwehren von Zell, Schönau und Atzenbach, sowie die Löschmannschaften aus Pfaffenberg, Häg, Ehrsberg usw, zu Hilfe, so dass endlich 21 Feuerspritzen aus den Bezirksämtern Schönau und Schopfheim bei der Brandstätte waren, aber was einmal brannte, war nicht mehr zu retten. Dagegen wurden die auf dem rechten Ufer der Wiese gelegenen Häuser vor dem in Brand geraten durch die umherfliegenden, brennenden Strohbüschel geschützt durch die Pfaffenberger Löschmannschaft, und gleiches taten bei den Häusern in Angenbachtal die Löschmannschaften von Häg und Ehrsberg, wenn auch hier leider eine Anzahl Häuser vom Feuer erfasst wurde, denn an den Feuerherd heranzugelangen,war unmöglich. Der Talkessel in Flammen strahlte Höllenhitze aus, und die unglücklichen Besitzer der brennenden Häuser konnten teilweise nicht ein mal ihre Haustiere retten. 2 Pferde,16 Stück Rindvieh, 29 Schweine, 2 Schafe und 8 Ziegen kamen in den Flammen um, und selbst ein Menschenleben fiel dem verheerenden Feuer zum Opfer. Die Ehefrau des Einwohners Joseph Durst, der später beim Sandgraben verschüttet wurde und ersticken musste, hatte sich mit ihm 2 1/2-jähriges Jungen aus dem Hause geflüchtet, allein das Kind schlüpfte unbeachtet wieder ins Haus zurück und war verloren. Das gefräßige Feuer vernichtete auch allen Wuchs der Gemüse- und Obstgärten bei den Häusern und es kletterte sogar bergauf, so dass man gezwungen war, durch Erdaufwurf von etwa 1,7 m Breite die reifenden Getreidefelder vor dem Verbrennen zu schützen. Durch die ganze Nacht und bis zum Abende des nächsten Tages dauerten die Löscharbeiten, und als endlich diese Arbeitshetze ausschnaufen ließ, da war erst recht ein unendlicher Jammer denn 52 Familien mit 205 Personen waren obdachlos geworden.