Geschichte

Originalauszug aus der Dorfchronik von 1933 geschrieben von Raimund Müller:

„Seit dem Jahre 1719 gibt es die Schmiede im Dorfe, der strategisch günstige Standort am Abzweig der Wiesentalstraße in Richtung Todtmoos, das zu früheren Zeiten eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen zum Hotzenwald und in den Hinterhag war.

Loeschtrog
Löschtrog aus dem Jahr 1719

Seit Jahrzehnten hat die Gemeinde Mambach nur noch eine Schmiede, während vor dem sogar einmal drei Schmieden am Platze waren, und diese einzige Schmiede ist zugleich die älteste und heute noch am alten Platze am Angenbache und an der Straße nach Todtmoos, gegenüber dem Rat-und Schulhaus. In der Schmiede steht ein großer, steinerner Löschtrog zum Abkühlen des glühenden Eisens, und in die Vorderseite des Troges ist die Jahres- zahl „1719 “ eingemeißelt. In diesem Jahre wurde die Hammerschmiede gegründet, und sie stand fortan auf dem bekannten goldenen Boden des Handwerks, denn der schwere Fuhrwerksverkehr auf der alten Straße des hintern Wiesentales brachte viel Schmiedearbeit. Außerdem standen in Mambach wegen starken Kohlenhandels in die Fremde und wegen des Vorspanndienstes für fremdes Schwerfuhrwerk viele Pferde, wenn auch nicht 60-80, wie vor etwa 40 Jahren der Motschkasper von Mambach meinte, während es nur die Hälfte soviel gewesen sein sollen und heutzutage, l933, nur noch 6 Pferde in Mambach stehen. Schließlich hatte die Mambacher Hammerschmiede auch guten Kundenzulauf aus den Orten der Umgegend. Ein Besonderes der alten Schmiede ist die Tatsache, dass auf ihr seitdem das gleiche Schmiedegeschlecht Gerspacher haust und werkt, also 214 Jahre lang in ununterbrochener Reihenfolge. Immer folgte der Sohn auf den Vater, und die Reihenfolge dieser kernhaften Gerspacherschmiede lautet, soweit kundbar: Franz -Joseph Gerspacher, der Sohn gleichen Namens – Fridolin Gerspacher, Joseph Gerspacher, der heute 1933, als alter Recke noch in der Schmiede werkt und schafft und neben ihm zwei Söhne. Das ist echtes Handwerk, wenn es sich vom Ururgroßvater vererbt auf Kinder und Kindeskinder bis ins 5.und 6.Glied ! Die alte Hammerschmiede hatte als Helfer den rauschenden Angenbach. Der trieb ein plumpes Wasserrad und dieses wieder bei Bedarf den plumpen Pochhammer, der dröhnend die Schmiede erzittern ließ. Die alte Schmiede war gewölbt und über ihr sollen zwei Familien gehaust haben. Aber der große Dorfbrand am 30. Juni 1870 legte auch die alte Schmiede in Asche, so dass heute von ihr nur noch der oben erwähnte Löschtrog zeugt. Die neue Schmiede steht auf dem alten Platze und neben ihr ein zweistöckiges Wohnhaus samt Ökonomiegebäuden. Sie ist modernst mit Motoren und Maschinen ausgestattet, und der Angelbach gibt ihr Wasserkraft von 10 Pferdestärken.

Das Handwerk in Mambach

 

Im Jahr 1853 war in Mambach

Bäcker 1
Gerber 2
Metzger 1
Müller 1
Schmiede 2
Schneider 2
Schuster 2
Wagner 2

 

 

Im Jahr 1865 war in Mambach

Bäcker 2
Drechsler 1
Gerber 2
Kaufmann 1
Metzger 1
Müller 1
Sägemühle 1
Schmiede 2
Schneider 5
Schreiner 1
Schuster 1
Wagner 2

 

 

Im Jahr 1870 war in Mambach
vor dem großen Brand

Bäcker 2
Drechsler 1
Gerber 2
Kaufmann 1
Metzger 1
Müller 1
Sägemühle 1
Schmiede 2
Schneider 5
Schreiner 1
Schuster 1
Wagner 2
Zimmermann 1

 

Der große Brand am 30. Juni 1870

Am 30. Juni 1870 mittags,13.30 Uhr war es, da arbeitete auf dem Strohdach des Hauses, das dicht neben dem alten Gasthaus zum Rössle an der Landstraße stand und dem Bürger Joseph Wetzel gehörte, der Dachdecker. Über allen glühte heiß die Sommersonne,und in der Wetzelküche glühte es auch, denn dort wurde Wagenschmiere gekocht, was eine feuergefährliche Sache ist, besonders in einem alten Schwarzwaldhaus mit seinem ausgedörrten Holzwerk und dem Strohdach obenauf. Und richtig hatte der Feuerteufel schon seine Klauen im Spiel. Unversehens schlugen die Flammen in den Schmierkessel, dessen Inhalt loderte hoch auf, und auf einmal brach eine Stichflamme über dem Futtergange durch das Strohdach hinaus. „Feuer!“ schrie der entsetzte Dachdecker und rutschte eiligst vom Dach herunter, während der Südwestwind sich beeilte, die verheerenden Flammen auf die andern ausgedörrten Strohdächer zu verbreiten.

DerGrosseBrandDorfbrand 1870 (Symbolbild)

Binnen einer einzigen halben Stunde standen 21 Häuser die alte Kapelle und 17 Nebengebäude unrettbar in Flammen,und auch aus Stein gebaute und mit Ziegeln gedeckte Häuser gerieten in Brand. Mit größter Schnelligkeit eilten die organisierten Feuerwehren von Zell, Schönau und Atzenbach, sowie die Löschmannschaften aus Pfaffenberg, Häg, Ehrsberg usw, zu Hilfe, so dass endlich 21 Feuerspritzen aus den Bezirksämtern Schönau und Schopfheim bei der Brandstätte waren, aber was einmal brannte, war nicht mehr zu retten. Dagegen wurden die auf dem rechten Ufer der Wiese gelegenen Häuser vor dem in Brand geraten durch die umherfliegenden, brennenden Strohbüschel geschützt durch die Pfaffenberger Löschmannschaft, und gleiches taten bei den Häusern in Angenbachtal die Löschmannschaften von Häg und Ehrsberg, wenn auch hier leider eine Anzahl Häuser vom Feuer erfasst wurde, denn an den Feuerherd heranzugelangen,war unmöglich. Der Talkessel in Flammen strahlte Höllenhitze aus, und die unglücklichen Besitzer der brennenden Häuser konnten teilweise nicht ein mal ihre Haustiere retten. 2 Pferde,16 Stück Rindvieh, 29 Schweine, 2 Schafe und 8 Ziegen kamen in den Flammen um, und selbst ein Menschenleben fiel dem verheerenden Feuer zum Opfer. Die Ehefrau des Einwohners Joseph Durst, der später beim Sandgraben verschüttet wurde und ersticken musste, hatte sich mit ihm 2 1/2-jähriges Jungen aus dem Hause geflüchtet, allein das Kind schlüpfte unbeachtet wieder ins Haus zurück und war verloren. Das gefräßige Feuer vernichtete auch allen Wuchs der Gemüse- und Obstgärten bei den Häusern und es kletterte sogar bergauf, so dass man gezwungen war, durch Erdaufwurf von etwa 1,7 m Breite die reifenden Getreidefelder vor dem Verbrennen zu schützen. Durch die ganze Nacht und bis zum Abende des nächsten Tages dauerten die Löscharbeiten, und als endlich diese Arbeitshetze ausschnaufen ließ, da war erst recht ein unendlicher Jammer denn 52 Familien mit 205 Personen waren obdachlos geworden.